Kunstverein Gera: Emilia Trog und Kristin Wenzel
Do. 9. April 2026 - Sa. 9. Mai 2026
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Gera, Markt 8/9
Kunstverein Gera
Kristin_Wenzel_Die_Vorstellung_des_Buchstabens_Y_2023Kristin_Wenzel_Die_Vorstellung_des_Buchstabens_Y_2023
© Kristin Wenzel

Emilia Trog und Kristin Wenzel im Geraer Kunstverein eV vom 10. April bis 9. Mai 2026
Ausstellungseröffnung: 9. April 2026, 19 Uhr 
Öffnungszeiten: Fr – Sa, 15-18 Uhr oder nach Vereinbarung

Der Kunstverein Gera widmet sein Ausstellungsprogramm 2026 dem Thema „Ordnungssysteme in der zeitgenössischen Kunst“. In insgesamt fünf Ausstellungen werden künstlerische Positionen vorgestellt, die sich mit Strukturen, Regelwerken und den Brüchen bestehender Systeme auseinandersetzen.

In Zeiten globaler Krisen, digitaler Kontrolle und ökologischer Instabilitäten gerät unsere regelbasierte Ordnung zunehmend ins Wanken. Die Ursachen dafür sind vielschichtig und führen gesellschaftlich zu wachsender Verunsicherung. Die Ausstellungsreihe versammelt zeitgenössische künstlerische Ansätze, die geschlossene Systeme analysieren, strukturieren und hinterfragen – und dabei ebenso politische wie soziale Ordnungen in den Blick nehmen.

Den Auftakt bildet eine Doppelausstellung der Künstlerinnen Emilia Trog (*1997) und Kristin Wenzel (*1983). Unter dem Titel „Markierungen einiger Verluste“ begeben sich beide auf eine poetische Spurensuche nach dem, was fehlt. Zwischen Fragment, Abdruck und Andeutung vermessen die Künstlerinnen Leerstellen - im Raum, im Material, im Gedächtnis. Im Zentrum steht die Frage, wie Verlust sichtbar gemacht und in eine künstlerische Form überführt werden kann. Ihre Arbeiten kreisen um das Sichtbarmachen des Unsichtbaren und fragen danach, wie Verlust Form annehmen kann.

Der Titel der Ausstellung nimmt Bezug auf Judith Schalanskys Buch „Verzeichnis einiger Verluste“, das verschwundene Orte, Dinge und Wesen literarisch vergegenwärtigt. Ähnlich setzen auch Trog und Wenzel dem Verschwinden eine künstlerische Geste entgegen: eine Markierung, ein tastende Erinnern, ein behutsames Rekonstruieren.

Die in Gera präsentierte Arbeit von Kristin Wenzel (Titel: Die Vorstellung des Buchstaben Y)  geht auf einen Workshop im Rahmen des Kunstfestes Weimar 2023 zurück. Dabei lud die Künstlerin 120 Teilnehmende ein, das barocke Schloss Friedrichswerth bei Gotha, einen historisch vielschichtigen und heute weitgehend ungenutzten Ort, zu erkunden. Die Künstlerin stellte den TeilnehmerInnen Materialien zur Verfügung, um keramische Abdrücke zu nehmen, die diese im Schlossgelände frei wählen konnten. Diese individuellen Fragmente setzt die Künstlerin zu einem Wandrelief zusammen und führt unterschiedliche Erinnerungsspuren, Perspektiven und Geschichten des Schlosses zusammen. Ein ähnliches Workshopprojekt ist auch während der Ausstellung in Gera geplant.

Emilia Trog arbeitet hingegen mit Bildern von Verbindungsstücken, die den Filmvorspann eines analogen Negativfilms mit einem angrenzenden Film verbinden. Durch die Trennung der beiden Filme nach der Entwicklung entstehen Versatzstücke, die Bildinformationen eines teilweise unbekannten Films enthalten.

Die hohe Auflösung und Informationsdichte des Negativfilms ermöglicht es, die nur wenige Millimeter breiten Filmfragmente zu verorten. Strukturen, Landschaften und Personen werden sichtbar und geben einen Eindruck eines möglichen Bildes. Der abwesende Bildteil formuliert sich als gleichzeitiger Verlust und Gewinn von Bildpixeln. Diese aus traditionellen Filmsequenzen neu entstandenen Bildkonstellationen verstehen sich als offene Versuchsanordnung, in denen sich Strenge und Zufall, Kontrolle und Chaos begegnen. Sie vermittelt zugleich, dass Ordnung nicht als starres System, sondern als ein offener, lebendiger Prozess zu verstehen ist.

Die Ausstellung wird am 9. April 2026 um 19 Uhr in den Galerieräumen des Kunstvereins Gera am historischen Markt eröffnet. Die Künstlerinnen sind anwesend.

Einführende Worte: Dr. Juliane Rückert, Kunstwissenschaftlerin, Jena

 

Der Kunstverein freut sich auf Ihren Besuch!