Detlev Glanert (*1960): Weites Land. Musik mit Brahms
Paul Hindemith (1895–1963): Der Schwanendreher. Konzert nach alten Volksliedern für Bratsche und kleines Orchester
Ludwig van Beethoven (1770–1827): Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 Pastorale
„Es ist viel Norddeutschland darin, der Brahmsische Geruch von Marschland und großen Himmeln“, sagt Detlev Glanert, der wie Brahms in Hamburg geboren wurde, über sein 2014 uraufgeführtes Stück Weites Land. Dies ist keineswegs die einzige Parallele zu seinem hamburgischen Vorgänger: Schon die ersten Takte zitieren – in verwandelter Gestalt – den Beginn von Brahms’ Vierter Sinfonie. Doch was zunächst wie ein vertrautes Echo erscheint, entwickelt sich rasch zu einer gefährlichen Reise durch geheimnisvolle nordische Landschaften.
Mit Paul Hindemiths Der Schwanendreher folgt ein Werk, das zu den wichtigsten Bratschenkonzerten zählt. 1935 komponiert und im selben Jahr in Amsterdam vom Komponisten selbst uraufgeführt, basiert jeder der drei Sätze auf einem eigenen mittelalterlichen deutschen Volkslied. Seinen Titel verdankt es dem Lied des Finales „Seid ihr nicht der Schwanendreher“. Historisch bezeichnete der „Schwanendreher“ einen Gehilfen am Bratspieß, der beim Festmahl die Schwäne wendete. Hindemith deutet die Figur jedoch poetisch um: als fahrenden Musikanten, der auf einem Instrument mit schwanenförmig gebogenem Hals – etwa einer Drehleier – spielt. Solistin ist Isabel Villanueva, von The Strad als „an artist who risks“ gefeiert und vom Pizzicato Magazine als „sensitive artist who knows how to immerse in the depths of music“ beschrieben.
Nach diesem spannungsreichen ersten Teil des Abends öffnet sich mit Ludwig van Beethovens Sechster Sinfonie ein anderer Horizont. Als leidenschaftlicher Naturliebhaber suchte Beethoven immer wieder die Stille außerhalb der Stadt. Vogelrufe, das Murmeln eines Baches, das Aufziehen eines Gewitters – all dies findet sich in der Sinfonie wieder. Nach der existenziellen Weite Glanerts und der archaischen Energie Hindemiths führt die Pastorale schließlich in eine Welt der Versöhnung.