100 Jahre tänzerischer Aufbruch in Gera – Internationales BallettFestival Gera26 feiert Tradition und Gegenwart des Tanzes
Vom 8. bis 21. Mai wird Gera zum Zentrum des Tanzes. Mit dem Internationalen BallettFestival Gera26 erinnert das Theater Altenburg Gera unter dem Motto „100 Jahre tänzerischer Aufbruch in Gera“ an die Anfänge der Tanzsparte am Haus – und schlägt zugleich den Bogen zur internationalen Gegenwart des Balletts.
Der Ursprung des Thüringer Staatsballetts
Der Ausgangspunkt dieser Entwicklung liegt im Jahr 1925: Am 10. August tritt die damals 21-jährige Tänzerin und Choreografin Yvonne Georgi ihr Engagement am Reußischen Theater an. Geprägt von den künstlerischen Ideen des Ausdruckstanzes, insbesondere durch ihre Ausbildung im Umfeld von Mary Wigman, entwickelt sie in Gera eine eigenständige choreografische Handschrift.
Mit einer von ihr zusammengestellten Tanzgruppe setzt Georgi entscheidende Impulse für die Etablierung des Bühnentanzes am Haus. Ihre Arbeiten lösen sich von klassischen Formen, suchen neue Ausdrucksmöglichkeiten und spiegeln die künstlerische Aufbruchsstimmung der 1920er Jahre. Bereits ihre ersten Produktionen finden überregionale Beachtung und machen Gera früh zu einem wichtigen Ort für die Entwicklung des modernen Tanzes. Auch wenn Georgi nur eine Spielzeit in Gera wirkt, bildet ihr Schaffen den Grundstein für die Tanzsparte, aus der sich das heutige Thüringer Staatsballett entwickelt hat.
Ein Programm zwischen Tradition und Gegenwart
Das Internationale BallettFestival Gera26 nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, Geschichte und Gegenwart miteinander zu verbinden. Gastgeber ist das Thüringer Staatsballett unter der Leitung von Ballettdirektor Vitaliy Petrov. Das Ensemble eröffnet das Festival mit der Premiere von „Romeo und Julia“ in der Choreografie von Emanuele Babici. Darüber hinaus stehen der Doppelabend „Jeu de Cartes / Pulcinella“ sowie eine Wiederbegegnung mit Georgis Choreografie „Glück, Tod und Traum“ im Rahmen eines Foyerkonzertes auf dem Programm. Eine festliche Gala mit internationalen Gästen beschließt das Festival.
Internationale Gäste mit besonderer Verbindung zu Gera
Ergänzt wird das Programm durch renommierte Compagnien aus dem In- und Ausland, die jeweils auf besondere Weise mit Gera verbunden sind oder zentrale Impulse des Tanzes repräsentieren.
Das Aalto Ballett Essen gastiert mit „Carmen“ (Choreografie: Johan Inger). Co-Intendant Armen Hakobyan begann seine tänzerische Laufbahn in Gera. Das Boston Dance Theater (USA) zeigt mit „Carol Kay Project“ und „Pinnacle Works“ zwei zeitgenössische Programme. Eine Verbindung besteht über den ehemaligen Geraer Tänzer Jan Veen, Initiator des Boston Dance Theaters. Das Bundesjugendballett John Neumeier präsentiert mit „Die Unsichtbaren“ eine bewegende Tanz-Collage über Ausgrenzung und Verfolgung im Nationalsozialismus. Die Inszenierung zeigt außerdem den Aufbruch in die Tanz-Moderne. Mit Sasha Waltz & Guests ist eine der international bedeutendsten Compagnien des zeitgenössischen Tanzes in Gera zu erleben. Ihre Produktion „In C“ steht für einen offenen, experimentellen künstlerischen Prozess.
Tanz in der ganzen Stadt
Über die Bühnen hinaus prägt das Festival das kulturelle Leben der Stadt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm lädt dazu ein, Tanz aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben: Die Ausstellung „Bravo, Gera! – 100 Jahre tänzerischer Aufbruch“ in der Kunstsammlung Gera macht die 1920er Jahre mit Originaldokumenten und Exponaten lebendig. Filmvorführungen, Gesprächsformate und Konzerte erweitern den Blick auf Tanzgeschichte und Gegenwart. Mit „Gera tanzt!“ öffnet das Thüringer Staatsballett seine Türen für einen unmittelbaren Einblick in die Arbeit des Ensembles.
Weitere Informationen und Karten: www.theater-altenburg-gera.de